Aci Urbajs

Die Anarchie des Aci Urbajs ist eine zutiefst demütige, aus seiner biodynamischen Arbeit wachsende. Er ist ein überaus bescheidener Mann, bleibt lieber im Hintergrund, ist beim Fotografieren kaum zu fassen. Doch wenn er reden darf, blüht er auf; seine Augen leuchten, wenn er seine ganz archaische Sicht der Dinge vermittelt. So funktioniert die Welt für ihn, und die wohltuende Ruhe, die von diesem Mann ausgeht, ist beeindruckend. Er ist konsequent in seiner Arbeit des Weglassens, des Nicht-Tuns. Kein Traktor, dafür Pferde, kein Schwefel. „Biodynamik gibt Energie und Begeisterung!“ verkündet er. „Wir sind alle so müde geworden, wie alte Erde.“ Aci möchte elastische Weine machen, und die können nur ohne Schwefel entstehen, denn selbst biodynamischer Wein, einmal geschwefelt, sei wie Beton. Ohne Schwefel aber ist er wie Holz, das ewig hält – und er bemüht hier den Vergleich mit Venedig, das auf hölzernen Pfählen steht. Seit 2006 arbeitet er erfolgreich ohne Schwefel „Wein, der Leben in sich hat, den trinkt man wie Mineralwasser!“ Rifnik heißt einer der drei Weinberge in Slowenien, wo Aci Urbajs arbeitet, hier wurde schon im Altertum Wein angebaut. Er ist ein Extremist, arbeitet ohne Dünger, um in den Gärten das absolut natürliche Gleichgewicht zu behalten. „Wir müssen mit den Gesetzen der Natur arbeiten!“ Deshalb gibt es auch in jedem der drei Weinberge einen Keller – um den Wein nicht vom Garten zu trennen! Chardonnay, Kerner, Riesling, Sivi Pinot und Modri Pinot sind die Rebsorten; er lässt Gerbstoff zu, Mazeration auf den Schalen. Nur wenn Botrytis dabei ist, wird sofort gepresst. Aci mag das weiße Tannin, es ergibt Weine mit Biss. Und wenn die Trauben gesund sind, darf es ruhig oxidativ sein. „Die Liebe zwischen Hefe und Zucker, die Fermentation, das ist das wahre Kosmische“ ist ein weiterer seiner markanten Sager.  Aci Urbajs hat Ökonomie studiert. „Wir brauchen im Keller keine Technologie!“ ist er überzeugt. Weinmachen sei ein archaischer Prozess – warum sollten wir ihn mit menschlichem Fortschritt zerstören? Wein ist für ihn nicht einfach nur Produkt, sondern Erde, Körper, er geht seinen eigenen Weg, jede Flasche ist anders. Und jeder hat seinen eigenen Wein des Lebens. „Es gibt ein mächtigeres Gesetz als das des Menschen: Anarchie.“